„Mein Arbeitszeugnis soll ich selbst abholen?“

Alles war gut – fast.

Zwischen dem Mandanten und seinem Chef grummelte es schon seit geraumer Zeit.
Schließlich platzte dem Arbeitgeber der Kragen und er schrieb die Kündigung. Die Kündigungsgründe waren, sagen wir mal, nicht so nachvollziehbar und es stand die Frage an, ob eine Kündigungsschutzklage eingereicht werden solle.

Im Auftrag des Mandanten schrieb ich also den Arbeitgeber mit dem Vorschlag an, man könne ein gerichtliches Verfahren vermeiden, wenn diverse Fragen wie die einer Abfindungszahlung, Übernahme des bisherigen Dienstwagens, qualifiziertes Zeugnis, etc. außergerichtlich geklärt und vereinbart werden könnten.

Der Arbeitgeber stimmte zu, es konnte alles zur beidseitigen Zufriedenheit geklärt werden, auch das Zeugnis wurde nach zweimaliger Korrektur wie gewünscht erteilt.
In der letzten Mitteilung stand dann, der Mandant möge sich das Zeugnis bei dem Arbeitgeber abholen.

„Was? Diesen *räusper*-Laden betrete ich nie mehr!“

Mein dezenter Hinweis, dass es sich betreffs des Zeugnisses um eine sog. Holschuld gem.   § 269 Abs. 2 BGB handle, gefiel dem Mandanten überhaupt nicht und sorgte nicht gerade für Verständnis.
Mein weiterer Hinweis, dass dieses Thema schon längst höchstrichterlich geklärt  und erst aktuell am 06.02.2013 durch das Urteil des LAG Berlin-Brandenburg bekräftigt worden sei, sorgte ebenfalls nicht für bessere Stimmung.
Wir haben das Problem dann anders gelöst: Mein Weg zur Werkstatt führte geradewegs beim Arbeitgeber vorbei und ich habe es im Sekretariat abgeholt.

Ich habe es dann dem Mandanten bei einem -nicht auf meine Kosten- opulenten Abendessen übergeben.

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