Festnahme: „Nun erzählen Sie doch mal“

Es ist -salopp ausgedrückt- mehr als unangenehm:
Sie finden sich unversehens in einer Polizeistation wieder, festgenommen/verhaftet, warum auch immer.

Panik bricht aus, Sie sind geschockt, um Sie herum machen die Beamten ihren Job und Sie sind mittendrin.

Aber, jetzt gilt es, absolut kühlen Kopf zu bewahren.
Irgendwann kümmert sich jemand um Sie, legt verschiedene Blätter auf den Tisch, spricht mit Ihnen, belehrt Sie über verschiedene Dinge und dann kommt die entscheidende Frage: “ Dann erzählen Sie doch mal….“
Spätestens jetzt sollten Sie nur einen Satz sagen: „Ich werde nichts sagen, ich möchte mit einem Anwalt sprechen“ -sonst nichts.

Wie mir Mandanten berichtet haben, können dann verschiedene Varianten folgen:
Die eine: „Erzählen Sie doch erstmal, den Anwalt rufen wir dann schon noch an“.
Eine andere: „Jawohl, das ist ihr Recht, hier ist ein Telefon, es wird ein Anwalt abheben“.
Das ist dann die faire Variante und es ist die Nummer 0170-6556158. Eine Notrufnummer, die wechselweise im Takt von ein bis zwei Wochen auf das Handy eines Rechtsanwalts weitergeleitet wird und der 24 Std., also rund um die Uhr für Fragen zur Verfügung steht.
Es handelt sich dabei um einen Kreis von Rechtsanwälten in Magdeburg, die sich zusammengeschlossen haben, um Festgenommenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Diese Telefon-Nummer ist „eigentlich“ bei der Polizei bekannt und liegt dort vor. Aber, manchmal kommt auch die erstere Variante oder eine andere zum Einsatz und dann kann es in vielen Fällen schon zu spät sein. Denn so mancher Festgenommene ist von seiner Unschuld völlig überzeugt und will eigentlich nur erklären, dass es nicht so ist, dass es ganz anders ist, dass es ist, weil…
Und dann, dann ist es oft schon zu spät. Denn der Vernehmungsbeamte wird das alles mitnotieren, egal, was er zu hören bekommt und was dabei so alles an vermeintlichen Rechtfertigungsversuchen heraus kommt.
Viele denken auch, wenn ich nichts sage, dann habe ich doch etwas zu verbergen. Und das ist bestimmt nachteilig für mich.

ALLES FALSCH!

Sie haben das Recht, zu schweigen, sich nicht zu äußern, nichts zu sagen!!

Deshalb: Sollten Sie einmal in diese wirklich unangenehme Situation kommen, sagen sie nur einen Satz:
„Ich werde nichts sagen, ich möchte einen Anwalt sprechen!“
Wenn Ihr kühler Kopf noch mitspielt, dann können Sie auch sagen „es gibt doch diese Notrufnummer 0170-6556158, rufen Sie die doch bitte mal an“

Vor einiger Zeit habe ich einem Anrufer nachst um 1:30 Uhr geraten, er soll sich vorstellen, wie er sich gerade ein riesengroßes Stück Klebeband auf den Mund legt, an irgendeine Wand schaut und sich dort „mit geistigem Auge“ einen sehr schönen Film ansieht, den er in guter Erinnerung hat.

Es ist dann natürlich etwas grotesk, wenn Sie Jemand ständig etwas fragt -bleiben Sie bei der Wand.

Und noch etwas: Nehmen Sie keinen Stift in die Hand und unterschreiben Sie nichts.

Ein anderer Mandant hat mir einmal erzählt, er habe sich fest vorgenommen, nichts zu sagen. Am frühen Morgen gegen 5:00 Uhr kam eine sehr nette Beamtin mit ein paar Zigaretten und der Bemerkung, man könne doch noch mal über alles reden. Da war es mit seiner Beherrschung vorbei und es brach alles aus ihm heraus.
Das machte die Verteidigung nicht einfacher.

Deshalb: Schweigen Sie  -bis auf den einen Satz!

„Ich werde nichts sagen, ich möchte mit einem Anwalt sprechen“

(Fortsetzung folgt)

Dieser Beitrag wurde unter Strafrecht abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.