Ab­fin­dungs­an­spruch bei ver­spä­te­ter Kün­di­gungs­schutz­kla­ge

Nach § 1a Abs. 1 Satz 1 KSchG hat der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf eine Ab­fin­dung, wenn der Ar­beit­ge­ber das Ar­beits­ver­hält­nis wegen drin­gen­der be­trieb­li­cher Er­for­der­nis­se nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG ge­kün­digt hat und der Ar­beit­neh­mer bis zum Ab­lauf der Frist des § 4 Satz 1 KSchG keine Klage auf Fest­stel­lung er­hebt, dass das Ar­beits­ver­hält­nis durch die Kün­di­gung nicht auf­ge­löst ist. Nach § 1a Abs. 1 Satz 2 KSchG setzt der An­spruch wei­ter den Hin­weis des Ar­beit­ge­bers in der Kün­di­gungs­er­klä­rung vor­aus, dass die Kün­di­gung auf drin­gen­de be­trieb­li­che Grün­de ge­stützt ist und der Ar­beit­neh­mer bei Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist die Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann.

Der Ab­fin­dungs­an­spruch nach § 1a Abs. 1 KSchG ent­steht nach dem Wort­laut der Re­ge­lung nicht, wenn der Ar­beit­neh­mer die Kün­di­gung mit einer Klage an­greift. Die ge­setz­li­che Re­ge­lung will ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ver­mei­den und den Par­tei­en eine ein­fa­che, ef­fi­zi­en­te und kos­ten­güns­ti­ge au­ßer­ge­richt­li­che Mög­lich­keit zu einem an­ge­mes­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleich zur Ver­fü­gung stel­len. Die­sem Zweck ent­spricht es, einem Ar­beit­neh­mer die Ab­fin­dung zu ver­sa­gen, wenn er eine ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung ein­ge­lei­tet hat. Das gilt auch für eine nach Ab­lauf der drei­wö­chi­gen Kla­ge­frist ein­ge­reich­te (Kün­di­gungs­schutz-​)Klage und einen An­trag des Ar­beit­neh­mers auf nach­träg­li­che Kla­ge­zu­las­sung nach § 5 KSchG (BAG 13.​12.​2007 – 2 AZR 971/06 – Rn. 46 mwN). Zwar re­gelt § 1a Abs. 1 KSchG die­sen Fall nicht aus­drück­lich. Aus dem Sinn und Zweck der ge­setz­li­chen Re­ge­lung folgt aber, dass ein An­spruch nach § 1a Abs. 1 KSchG mit der An­trag­stel­lung auf nach­träg­li­che Zu­las­sung der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ent­fällt. Der Ar­beit­ge­ber sähe sich an­sons­ten durch den nach­träg­li­chen Kla­ge­zu­las­sungs­an­trag nun­mehr doch mit einer ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung über die Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses kon­fron­tiert, die er ge­ra­de mit dem An­ge­bot einer Ab­fin­dungs­zah­lung ver­mei­den woll­te.

Auch durch die Rück­nah­me der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge kön­nen je­den­falls die Vor­aus­set­zun­gen des § 1a Abs. 1 Satz 1 KSchG nicht mehr er­füllt bzw. ihr Nicht­vor­lie­gen be­wirkt wer­den (BAG 13.​12.​2007 – 2 AZR 971/06 – Rn. 48 mwN). Daran än­dert auch § 269 Abs. 3 Satz 1 ZPO nichts, wo­nach der Rechts­streit als nicht an­hän­gig ge­wor­den an­zu­se­hen ist, wenn die Klage zu­rück­ge­nom­men wird. Mäße man die­ser ge­setz­li­chen Fik­ti­on die vom Klä­ger in An­spruch ge­nom­me­ne Wir­kung zu, so würde das ge­setz­ge­be­ri­sche Ziel des § 1a KSchG un­ter­lau­fen, einen Ab­fin­dungs­an­spruch bei be­triebs­be­ding­ter Kün­di­gung nur im Falle der Ver­mei­dung einer ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung zu be­grün­den. Der Ar­beit­neh­mer soll ge­ra­de nicht zu­nächst die Ent­wick­lung des Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­ses ab­war­ten und die Klage bei sich ab­zeich­nen­der Er­folg­lo­sig­keit zu­rück­neh­men dür­fen, um doch noch in den Ge­nuss der vom Ar­beit­ge­ber mit dem Hin­weis nach § 1a Abs. 1 Satz 2 KSchG an­ge­bo­te­nen Ab­fin­dung kom­men zu kön­nen (BAG 13.​12.​2007 – 2 AZR 971/06 – Rn. 48 mwN).

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20. Au­gust 2009 – 2 AZR 267/08

Quelle: rechtslupe.de; Mitteilung vom 2. November 2009

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