Wider den Abmahnwahn in Brandenburg

Das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­lan­des­ge­richt hat in einer Reihe kürz­lich er­gan­ge­ner Ent­schei­dun­gen Rechts­mit­tel gegen Ent­schei­dun­gen der Land­ge­rich­te im Land Bran­den­burg zu­rück­ge­wie­sen, mit denen der Er­lass von einst­wei­li­gen Ver­fü­gun­gen wegen un­lau­te­rer Wer­bung be­gehrt wurde. Nach Auf­fas­sung des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts ging es den An­trag­stel­lern in die­sen Fäl­len nicht um die Ab­wehr von Stö­run­gen des Wett­be­werbs, ihr Ziel war viel­mehr, die ab­ge­mahn­ten Kon­kur­ren­ten mit mög­lichst hohen Ab­mahn- und An­walts­kos­ten zu be­las­ten.

So hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt eine so­for­ti­ge Be­schwer­de zu­rück­ge­wie­sen, weil der in Stutt­gart an­säs­si­ge An­trag­stel­ler sei­nen in Köln an­säs­si­gen Kon­kur­ren­ten weder in Stutt­gart noch in Köln, son­dern in Cott­bus durch einen in Dres­den an­säs­si­gen An­walt hat in An­spruch neh­men las­sen, ohne ver­nünf­ti­ge Grün­de für die Wahl die­ses Ge­richts­stan­des an­ge­ben zu kön­nen. Das OLG Bran­den­burg hat aus die­sem Ver­hal­ten des An­trag­stel­lers ge­schlos­sen, dass durch die Wahl des vom Sitz sei­nes Geg­ners mög­lichst weit ent­fern­ten Ge­richts die­ser von der unter die­sen Um­stän­den be­son­ders kost­spie­li­gen Rechts­ver­tei­di­gung ab­ge­hal­ten wer­den soll­te.

In einem wei­te­ren Fall, in dem der An­trag­stel­ler in einer Viel­zahl von Fäl­len Un­ter­las­sungs­an­sprü­che gel­tend ge­macht hatte, hat das Ge­richt an­ge­nom­men, dass ein An­trag­stel­ler, der sich nicht an das nächst­lie­gen­de zu­stän­di­ge Ge­richt, son­dern an ent­fern­te Ge­rich­te wen­det, of­fen­bar ver­hin­dern will, dass sein miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten auf­fällt. Bei Viel­ab­mah­nern liege die An­nah­me eines Miss­brauch auch dann nahe, wenn der glaub­haft ge­mach­te Um­satz aus der Sicht eines ver­nünf­ti­gen Markt­teil­neh­mers in kei­nem an­ge­mes­se­nen Ver­hält­nis zu den durch die viel­fa­che Rechts­ver­fol­gung aus­ge­lös­ten Ab­mahn-, Ge­richts und An­walts­kos­ten stehe.

Schließ­lich hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt auch deut­lich ge­macht, dass nur sol­che Un­ter­neh­men über­haupt zur Gel­tend­ma­chung von Un­ter­las­sungs­an­sprü­chen wegen un­lau­te­rer Wer­bung be­rech­tigt sind, die wirk­lich am Markt in nen­nens­wer­tem Um­fang Um­sät­ze er­zie­len und dies auch hin­rei­chend be­le­gen kön­nen. Der bloße Hin­weis auf eine In­ter­net­prä­sen­ta­ti­on ge­nü­ge nicht.

Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Ur­teil vom 22. Sep­tem­ber 2009 – 6 W 93/09
Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Be­schluss vom 29. Juni 2009 – 6 W 100/09
Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Be­schluss vom 18. Sep­tem­ber 2009 – 6 W 128/09
und 6 W 141/09)

Quelle: rechtslupe.de; Mitteilung vom 16. Oktober 2009

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