Ver­brau­cher­kre­di­te und Zah­lungs­ver­kehr

Ver­brau­cher sol­len künf­tig bes­se­re In­for­ma­tio­nen bei Kre­dit­ver­trä­gen er­hal­ten und bes­ser vor un­se­riö­sen Lock­vo­ge­l­an­ge­bo­ten ge­schützt wer­den

.Der Deut­sche Bun­des­tag hat das „Ge­setz zur Um­set­zung der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie, des zi­vil­recht­li­chen Teils der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie sowie zur Neu­ord­nung der Vor­schrif­ten über das Wi­der­rufs-​ und Rück­ga­be­recht“ ver­ab­schie­det. Ver­brau­cher sol­len da­durch künf­tig bes­se­re In­for­ma­tio­nen bei Kre­dit­ver­trä­gen er­hal­ten und bes­ser vor un­se­riö­sen Lock­vo­ge­l­an­ge­bo­ten ge­schützt wer­den. Zu­gleich be­zweckt das jetzt be­schlos­se­ne Ge­setz, den bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehr in der eu­ro­päi­schen Union zu ver­ein­fa­chen. Im Ein­zel­nen sieht das be­schlos­se­ne Ge­setz fol­gen­de Neu­re­ge­lung vor:

1. Ver­brau­cher­dar­le­hen

  • In­for­ma­ti­on und Ver­trags­er­läu­te­rung: Künf­tig soll ein Ver­brau­cher schon vor Ab­schluss eines Dar­le­hens­ver­tra­ges über die we­sent­li­chen Be­stand­tei­le des Kre­dits in­for­miert wer­den. Damit wird es dem Ver­brau­cher er­mög­licht, ver­schie­de­ne An­ge­bo­te zu ver­glei­chen und eine fun­dier­te Ent­schei­dung zu tref­fen. Dies stärkt das Leit­bild eines ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten und selb­stän­dig han­deln­den Ver­brau­chers. So­bald sich die Wahl eines be­stimm­ten Kre­dits ab­zeich­net, müs­sen dem Ver­brau­cher zu­sätz­lich die Haupt­merk­ma­le des Ver­trags er­läu­tert wer­den.
  • Wer­bung: Die Wer­bung für Dar­le­hens­ver­trä­ge wird stär­ker re­gle­men­tiert. Wer für den Ab­schluss von Dar­le­hens­ver­trä­gen wirbt, darf nicht nur eine ein­zi­ge Zahl her­aus­stel­len (etwa einen be­son­ders nied­ri­gen Zins­satz). Viel­mehr muss er auch die wei­te­ren Kos­ten des Ver­trags an­ge­ben und diese An­ga­ben mit einem rea­lis­ti­schen Bei­spiel er­läu­tern. Da­durch wer­den Lock­vo­ge­l­an­ge­bo­te un­ter­bun­den und die Ver­brau­cher in die Lage ver­setzt, an­hand aus­sa­ge­kräf­ti­ger In­for­ma­tio­nen selbst die Vor- und Nach­tei­le eines Ver­trags­schlus­ses ab­zu­wä­gen.
  • Mus­ter für Ver­brau­cher­dar­le­hen: Künf­tig gel­ten für un­ter­schied­li­che Kre­dit­ver­trä­ge je­weils ein­heit­li­che Mus­ter zur Un­ter­rich­tung der Ver­brau­cher. An­hand die­ser Mus­ter wer­den sämt­li­che Kos­ten des Dar­le­hens er­kenn­bar. Un­ter­schied­li­che An­ge­bo­te kön­nen bes­ser als bis­her mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den. Die Mus­ter gel­ten eu­ro­pa­weit, so dass Kun­den auch An­ge­bo­te aus dem eu­ro­päi­schen Aus­land ein­ho­len und ver­glei­chen kön­nen.
  • Kün­di­gung: Die Kün­di­gung von Dar­le­hens­ver­trä­gen wird neu ge­re­gelt. Kün­di­gun­gen durch den Dar­le­hens­ge­ber sind bei un­be­fris­te­ten Ver­trä­gen nur noch zu­läs­sig, wenn eine Kün­di­gungs­frist von min­des­tens zwei Mo­na­ten ver­ein­bart ist. Ver­brau­cher kön­nen da­ge­gen einen un­be­fris­te­ten Ver­trag je­der­zeit kün­di­gen. Dabei darf die Kün­di­gungs­frist für den Ver­brau­cher einen Monat nicht über­schrei­ten. Bei be­fris­te­ten Ver­trä­gen, die nicht durch ein Grund­pfand­recht wie eine Grund­schuld oder Hy­po­thek ge­si­chert sind, dür­fen Ver­brau­cher das Dar­le­hen künf­tig je­der­zeit ganz oder teil­wei­se zu­rück­zah­len. Ver­langt der Dar­le­hens­ge­ber in einem sol­chen Fall eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung, ist diese auf höchs­tens ein Pro­zent des vor­zei­tig zu­rück­ge­zahl­ten Be­tra­ges be­schränkt. Von den Neu­re­ge­lun­gen wer­den nicht nur reine Dar­le­hens­ver­trä­ge, son­dern auch an­de­re Fi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te er­fasst. Damit wer­den Ver­brau­cher bei Teil­zah­lungs­ge­schäf­ten und bei Fi­nan­zie­rungs­lea­sing­ver­trä­gen grund­sätz­lich eben­so ge­schützt wie bei Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen.

2. Zah­lungs­diens­te

Im Be­reich des bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehrs gel­ten bei Zah­lungs­dienst­leis­tun­gen künf­tig eu­ro­pa­weit wei­test­ge­hend ein­heit­li­che Rech­te und Pflich­ten. Erst­mals gibt es so­wohl für rein in­län­di­sche als auch für grenz­über­schrei­ten­de Zah­lungs­ver­fah­ren (zum Bei­spiel Über­wei­sung, Kar­ten­zah­lung, Last­schrift) ein­heit­li­che Re­ge­lun­gen. Dies er­leich­tert bar­geld­lo­se Zah­lun­gen und er­höht die Rechts­si­cher­heit für alle Be­tei­lig­ten. Ein ein­heit­li­cher Eu­ro-​Zah­lungs­raum (sin­gle euro pay­ments area – SEPA) er­laubt es den An­bie­tern von Zah­lungs­diens­ten, eu­ro­pa­wei­te Ver­fah­ren für Zah­lun­gen in Euro zu ent­wi­ckeln (so­ge­nann­te SE­PA-​Pro­duk­te).

Des­halb ist – was die Frage der Be­zah­lung an­geht – der Stand­ort eines An­bie­ters künf­tig kein Hin­der­nis mehr, sich als Kunde für das güns­tigs­te An­ge­bot zu ent­schei­den. Zu­gleich för­dern glei­che Rah­men­be­din­gun­gen den grenz­über­schrei­ten­den Wett­be­werb. Denn durch ein­heit­li­che Vor­ga­ben über die In­for­ma­ti­on der Kun­den wird es leich­ter, auch das An­ge­bot aus­län­di­scher Zah­lungs­dienst­leis­ter zu be­wer­ten.

Schließ­lich füh­ren die neuen Re­ge­lun­gen zu einer Ver­ein­heit­li­chung und Ver­kür­zung der Aus­füh­rungs-​ und Wert­stel­lungs­fris­ten: Bis­her sind grenz­über­schrei­ten­de Über­wei­sun­gen in der EU bin­nen fünf Werk­ta­gen zu er­brin­gen. Ab 1. Ja­nu­ar 2012 müs­sen alle Zah­lungs­auf­trä­ge in Euro in­ner­halb eines Ge­schäfts­ta­ges aus­ge­führt wer­den. Bis dahin kann eine 3-​tä­gi­ge Aus­füh­rungs­frist ver­ein­bart wer­den. Damit kön­nen Zah­lungs­dienst­nut­zer ziel­ge­nau­er ihre Zah­lungs­pflich­ten er­fül­len und so lange wie mög­lich mit ihrem Geld ar­bei­ten.

3. Wi­der­rufs-​ und Rück­ga­be­recht

Die be­reits be­ste­hen­den Vor­schrif­ten über das Wi­der­rufs-​ und Rück­ga­be­recht wer­den neu ge­ord­net. Dies führt zu mehr Rechts­si­cher­heit, und zwar nicht nur bei Ver­brau­cher­ver­trä­gen, son­dern auch bei Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen. Un­ter­neh­mer, die für ihre Be­leh­run­gen über das Wi­der­rufs-​ und Rück­ga­be­recht die neuen Mus­ter ver­wen­den, müs­sen künf­tig keine wett­be­werbs­recht­li­chen Ab­mah­nun­gen oder un­be­fris­te­te Wi­der­rufs-​ bzw. Rück­ga­be­rech­te mehr fürch­ten. Zudem gel­ten bei Fern­ab­satz­ge­schäf­ten über eine In­ter­net­auk­ti­ons­platt­form und sol­chen in einem her­kömm­li­chen In­ter­net­shop weit­ge­hend glei­che Wi­der­rufs­fris­ten und Wi­der­rufs­fol­gen.

Quelle: rechtslupe.de; Mitteilung vom 08. Juli 2009

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