Keine Rund­funk­ge­bühr für be­ruf­lich ge­nutz­ten PC

An­ders als der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart ent­schie­den, dass für einen be­ruf­lich ge­nutz­ten PC mit In­ter­net­an­schluss keine Rund­funk­ge­büh­ren zu ent­rich­ten sind.

Der Klä­ger hatte der GEZ an­ge­zeigt, dass er be­ruf­lich einen In­ter­net­fä­hi­gen PC nutze; seine Ehe­frau ent­rich­te Rund­funk­ge­büh­ren für einen pri­vat ge­nutz­ten Fern­se­her. Dar­auf mel­de­te der SWR den Klä­ger zum 01.01.2007 mit einem „neu­ar­ti­gen Rund­funk­ge­rät“ als Rund­funkteil­neh­mer an und setz­te im März 2008 rück­stän­di­ge Rund­funk­ge­büh­ren für den Zeit­raum von Ja­nu­ar 2007 bis De­zem­ber 2007 in Höhe von 71,35 € ein­schließ­lich Säum­nis­zu­schlä­gen fest. Hier­ge­gen wand­te der Klä­ger ein, er ver­wen­de den in­ter­net­fä­hi­gen Rech­ner (mit Pen­ti­um II Pro­zes­sor und Win­dows 98) be­ruf­lich. Beim Emp­fang von In­ter­ne­tra­dio stür­ze die­ser Rech­ner je­doch re­gel­mä­ßig ab. Er sei des­halb tech­nisch nicht in der Lage, In­ter­ne­tra­dio zu emp­fan­gen. Eine nicht zeit­ver­setz­te Hör- und Sicht­bar­ma­chung von Rund­funk­dar­bie­tun­gen – wie beim klas­si­schen Rund­funk – sei zudem über das In­ter­net tech­nisch nicht mög­lich.

Und das Ver­wal­tungs­ge­richt Stut­gart gab dem Klä­ger jetzt Recht:

 Ein Rech­ner sei nicht per se ein Rund­funk­emp­fän­ger, son­dern ein mul­ti­funk­tio­na­les Gerät, das je­den­falls im nicht pri­va­ten Be­reich nach all­ge­mei­ner Le­bens­er­fah­rung an­de­ren Zwe­cken diene als dem Rund­funk­emp­fang. Des­halb träfe die Dar­le­gungs-​ und Be­weis­last für die tat­säch­li­che Nut­zung eines in­ter­net­fä­hi­gen PC zum Rund­funk­emp­fang die Lan­des­rund­funk­an­stalt. Dies sei von deren Seite aus nicht ge­sche­hen, sie stel­le sich auf den Stand­punkt, es rei­che al­lein die Nut­zungs­mög­lich­keit für den Emp­fang. Da der­ar­ti­ge mul­ti­funk­tio­na­le Ge­rä­te viel­fäl­ti­gen Zwe­cken dien­ten, könne aus dem blo­ßen Be­sitz nach all­ge­mei­ner Le­bens­er­fah­rung nicht mehr au­to­ma­tisch auf das Be­reit­hal­ten zum Rund­funk­emp­fang ge­schlos­sen wer­den. Dies be­le­ge auch die ARD/ZDF-​On­line-​Stu­die. Das Ge­richt stell­te au­ßer­dem fest, dass es eine un­zu­läs­si­ge Be­sitz­ab­ga­be dar­stel­len würde, wenn Ei­gen­tü­mer und Be­sit­zer in Aus­übung ihrer ge­werb­li­chen Tä­tig­keit nur auf­grund des Be­sit­zes sol­cher Ge­rä­te mit einer Rund­funk­ge­bühr be­las­tet wer­den.

Zudem seien be­ruf­lich ge­nutz­te PCs nach § 5 Abs. 3 des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­tra­ges als Zweit­ge­rät ge­büh­ren­be­freit, wenn dort be­reits ein pri­vat ge-​nutz­tes Emp­fangs­ge­rät vor­han­den sei. Die vom SWR vor­ge­nom­me­ne Ein­schrän­kung da­hin­ge­hend, dass “an­de­re Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te” nur ge­werb­lich ge­nutz­te Ge­rä­te sein könn­ten, sei an­ge­sichts des kla­ren Wort­lauts der Vor­schrift nicht mög­lich. Nach die­ser In­ter­pre­ta­ti­on wäre für den ers­ten ge­werb­lich ge­nutz­ten PC eine Rund­funk­ge­bühr zu ent­rich­ten, erst der zwei­te ge­werb­lich ge­nutz­te PC wäre als Zweit­ge­rät ge­büh­ren­be­freit. Somit würde jeder von der GEZ in An­spruch ge­nom­me­ne Ge­wer­be­trei­ben­de zu­min­dest für ein neu­ar­ti­ges Rund­funk­emp­fangs­ge­rät Ge­büh­ren ent­rich­ten müs­sen. Diese In­ter­pre­ta­ti­on über­schrei­te die Aus­le­gungs­re­geln, die ihre Gren­zen im Wort­laut der Vor­schrift hät­ten und be­grün­de – am Ge­setz­ge­ber vor­bei – einen neuen Ge­büh­ren­tat­be­stand, der im Ge­setz nicht vor­ge­se­hen sei.

Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig, das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Be­ru­fung zum Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Ba­den-​Würt­tem­berg zu­ge­las­sen.

Dies ent­schied das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart mit Ur­teil vom 29. April 2009 – 3 K 4387/08

Quelle: rechtslupe.de; Mitteilung vom 22. Mai 2009

Dieser Beitrag wurde unter Blogeinträge veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.