Auf­zug zum Nach­barn

Eine for­mu­lar­mä­ßi­ge Ver­ein­ba­rung in einem Wohn­raum­miet­ver­trag, durch die ein Mie­ter an­tei­lig mit Kos­ten für einen Auf­zug be­las­tet wird, mit dem seine Woh­nung nicht er­reicht wer­den kann, weil sich der Auf­zug in einem an­de­ren Ge­bäu­de­teil be­fin­det, be­nach­tei­ligt den Mie­te­r­un­an­ge­mes­sen[1]. Mit die­ser Be­grün­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof jetzt die Um­la­ge der (an­tei­li­gen) Kos­ten eines sol­chen Auf­zugs auf den Mie­ter ab­ge­lehnt.

Es ist in der Recht­spre­chung des BGH an­er­kannt, dass an Kos­ten für Ein­rich­tun­gen, die ein­zel­nen Mie­ter zur al­lei­ni­gen Nut­zung über­las­sen sind, die “aus­ge­schlos­se­nen” Mie­ter nicht be­tei­ligt wer­den dür­fen[2]. Wenn etwa ein Auf­zug nur in eine Dach­ge­schoss­woh­nung führt, hat folg­lich der Mie­ter die­ser Woh­nung die Auf­zugs-​kos­ten al­lein zu tra­gen[3].

Ent­spre­chen­des muss gel­ten, wenn der Auf­zug nur einem Teil der Mie­ter eines Ge­bäu­des oder einer Wirt­schafts­ein­heit zur Ver­fü­gung steht. Auf die Mie­ter der üb­ri­gen Woh­nun­gen, die durch den Auf­zug nicht er­schlos­sen wer­den in dem Sinne, dass von dem Auf­zug aus kein Zu­gang zu den Woh­nun­gen be­steht, kön­nen Auf­zugs­kos­ten des­halb nicht um­ge­legt wer­den[4]. So lag der Fall auch in dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall: Die Woh-​nung der Mie­ters ist mit dem Auf­zug, der sich im Vor­der­haus be­fin­det, nicht zu er­rei­chen.

Da­durch un­ter­schei­det sich der hier zu be­ur­tei­len­de Sach­ver­halt von dem Fall des Erd­ge­schoss­mie­ters, des­sen Woh­nung mit dem Auf­zug er­reicht wer­den kann, auch wenn er ihn wegen der Lage sei­ner Woh­nung fak­tisch nicht nutzt. Für die­sen Fall hat der BGH[5] aus­ge­spro­chen, dass der Erd­ge­schoss­mie­ter eine Be­tei­li­gung an den Auf­zugs­kos­ten auf­grund eines ein­heit­li­chen, ge­ne­ra­li­sie­ren­den Maß­stabs AGB-​recht­lich hin­zu­neh­men hat, weil es na­he­lä­ge, an­dern­falls auch bei den Mie­tern der Woh­nun­gen in den höher ge­le­ge­nen Eta­gen nach dem Grad der tat­säch­li­chen Nut­zung zu dif­fe­ren­zie­ren, der damit an­ge­streb­ten mög­lichst weit­ge­hen­den Um­la­ge­ge­rech­tig­keit aber Grün­de der Prak­ti­ka­bi­li­tät und der Trans­pa­renz der Ab­rech­nung ent­ge­gen­ste­hen.

Die Gren­ze der Zu­mut­bar­keit einer ge­ne­ra­li­sie­ren­den Be­trach­tungs­wei­se für den Mie­ter wird je­doch über­schrit­ten, wenn er einen Auf­zug nicht nur tat­säch­lich nicht nutzt oder dafür kein Be­dürf­nis hat, son­dern wenn seine Woh­nung mit dem Auf­zug über­haupt nicht er­reicht wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Ur­teil vom 8. April 2009 – VIII ZR 128/08

  1. Ab­gren­zung zu BGH, Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 2006 – VIII ZR 103/06, NJW 2006, 3557 []
  2. BGH, Ur­teil vom 26. Mai 2004 – VIII ZR 135/03, WuM 2004, 399, unter II 2, für Gar­ten­flä­chen; KG, GE 2005, 1424, 1425, für Hei­zungs­an­la­gen; OLG Düs­sel­dorf, DWW 2000, 54, für Auf­zugs­an­la­gen; Münch­KommBGB/Schmid, 5. Aufl., § 556a Rdnr. 8; Eh­lert, in: Bam­ber­ger/ Roth, 2. Aufl., § 556a Rdnr. 13 []
  3. Schmidt-​Fut­te­rer/Lan­gen­berg, Miet­recht, 9. Aufl., § 556a BGB Rdnr. 101 []
  4. LG Ber­lin, GE 2005, 1489; Stau­din­ger/Wei­te­mey­er, BGB (2006), § 556a Rdnr. 26; Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 68. Aufl., § 535 Rdnr. 89 []
  5. BGH, Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 2006 – VIII ZR 103/06, NJW 2006, 3557, Tz. 12 ff.

Quelle: rechtslupe.de; Veröffentlichung vom 18.05.2009

Dieser Beitrag wurde unter Mietrecht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.